Von Zeuslern und Irrlichtern

Immer wieder behaupten Leute beim Durchqueren von Riedlandschaften, sie hätten unheimliche Flammen über den Sümpfen tanzen gesehen. Früher war allen klar, dass es sich um die Seelen Verstorbener handeln musste, die zu ihren Lebzeiten Marchsteine versetzt oder sich anderer Missetaten haben zu Schulden kommen lassen und nun als Irrlichter oder Zeusler an den Orten ihrres Vergehens büssen müssen.

***

Von Jakob Stutz wurde überliefert:
Rägel, eine Pfäffikerin, erzählte: "Wir hatten eine Liechtstubeten. Als wir zufällig aufs Riet hinausschauten, bemerkten wir einen leibhaftigen Zeusler, also einen, der Marksteine versetzt hatte. Nachdem einer in Vorschlag gebracht hatte: wir wollen beten, dann kommt der Zeusler in die Nähe, waren wir alle einverstanden, gingen unter die Haustüre und beteten.

Der Zeusler kam mit Windeseile näher und immer näher. Wir hatten kaum Zeit, die Türe zu schließen. Der Zeusler schlug mit der Hand auf die Türe.

Als wir später nachschauten, waren darin fünf Finger eingebrannt, deren Brandmal nicht mehr abzuhobeln war."

***

Oder aus dem Robenhauser Ried:
Dort war es auch nicht ganz geheuer. Dort sah man oft sonderbare Lichter herumtanzen. Die Einheimischen nannten sie Irrlichter.
Es kam vor, daß ein solches Irrlicht einsame Wanderer bei Nacht und Nebel stundenlang im Ried herumlockte, bis sie in die Turbenlöcher fielen. Man hielt diese Erscheinungen für die Seelen von Brandstiftern, die im Grabe keine Ruhe fanden. Zur Abbüßung ihrer Frevel müssen sie bis zum jüngsten Tage als Zeusler oder Irrlichter im Riede herumgeistern.

***

Jakob Stutzens Vetter Kaspar erzählt, wie er selber einmal bei Nacht auf dem Kreuzweg zwischen Unterhittnau und Isikon einem Zeusler begegnete. Es sei gewesen, wie wenn ein blaues Lichtlein in einem Krättlein vorüberrollte. Im Kreuzweg sei es höchst unheimlich, denn dort seien auf ein paar Äckern Marchsteine verrückt worden. Er wisse, wer's getan habe, sage es aber seiner Lebtag keinem Menschen.