Die goldene Kette zu Irgenausen

Beim Dorfe Irgenhausen am Pfäffikersee erhebt sich ein kleiner Hügel, die Bürglen, auf welcher vor gar langer Zeit eine Römerburg stand. Bevor die Antiquarische Gesellschaft in Zürich die Grundmauern dieses Kastells restaurierte, geschah dort allerlei Geheimnisvolles. Davon wusste ein Bauer, dem der Hügel in den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts gehörte, eine Geschichte zu erzählen.

Der frühere Besitzer dieses Platzes sah an manchen Abenden ein blaues Flämmchen innerhalb der alten Umwallung spielen. Weil dieses stets ein Zeichen ist von unterirdisch verborgenen Schätzen, die sich auf solche Weise anmelden, begann er darnach zu graben. Lange arbeitete er vergeblich.
Auf einmal fing es an im Loche zu blinken und zu funkeln. "Potz tausend, eine goldene Kette!" rief er und schlug mit seinem Karste hastig drauf los.
In diesem Augenblick setzte sich die goldene Kette in Bewegung und schlüpfte wie ein Wurm wieder in das Loch zurück. Nichts war ihm davon geblieben als das letzte Kettenglied, das an einer Zinke seines Karstes hing.

Der Bauer machte sich in aller Stille davon, bot sein Gütchen feil und kaufte sich in einer anderen Gegend ein nicht verzaubertes Heimwesen.

zurück